Personality characteristics as a risk of sudden deafness

Institut of Psychosomatic Düsseldorf
H. Greuel
Summary. As a rule, the patient suffering sudden deafness is a personality who weakens himself through disappointments or the inability to recover and who strives to make excessive demands on himself. He does not recognize the limits of his own ability to take stress, and suffers a sudden deafness due to an external event (triggering situation). In this case, sudden deafness is to be regarded as a "weak point" or "safeguard" to prevent even greater damage. This semblance of a solution is an event interrupting a disaster cycle.

Persönlichkeitsmerkmale als Hörsturzrisiko
H. Greuel
Institut für Psychosomatik Düsseldorf
Zusammenfassung. Der Hörsturzpatient ist in der Regel eine Persönlichkeit, die sich durch Enttäuschungen oder die Unfähigkeit, sich zu regenerieren, selbst schwächt, die einer Selbstüberforderung entgegenstrebt, die Grenzen der eigenen Belastbarkeit nicht erkennt und durch ein äußeres auf ihn eintreffendes Lebensereignis (auslösende Situation) einen Hörsturz erleidet. Der Hörsturz ist dabei als "Schwachstelle" oder "Sicherung" anzusehen, um noch größeren Schaden zu verhüten. Diese Scheinlösung ist ein einen verhängnisvollen Kreislauf unterbrechendes Ereignis.

In dieser Arbeit möchte ich Persönlichkeitsmerkmale von Hörsturzpatienten beschreiben, die wie ein roter Faden bei der tiefenpsychologischen Anamneseerhebung der Hörsturzpatienten erscheinen. In der Arbeit "Suggestivbehandlung beim Hörsturz", HNO (1983) 31:136-196, wurde das Vorgehen der Behandlung dargestellt, das sich auch nur in Bezug auf die Therapie bei länger zurückliegenden Hörstürzen mit und ohne Tinnitus in Form eines einwöchigen Behandlungsprogrammes änderte.
Der Kopfbereich mit seiner reichen Versorgung mit Blutgefäßen und mit gefäßbegleitenden sympathischen Nervengeflechten bietet offenbar einen empfindlichen Ansatzpunkt für Beschwerden im Bereich des Hör- und Gleichgewichtsorgans. Eine Störung der Mikrozirkulation und damit der Sauerstoffversorgung führt zur Funktionsschwäche oder zum Totalausfall des entsprechenden Sinnesorgans, zumal das Innenohr von einer Endarterie versorgt wird und sich kein Kollateralkreislauf ausbilden kann.
Oft kommt es innerhalb einiger Tage zur Spontanerholung, wobei wohl eine Vita minima der Sinneszellen durch einen überwiegend anaeroben Stoffwechsel aufrecht erhalten wird. Trotzdem ist der Hörsturz als Notfall anzusehen und einer Notfallbehandlung zu unterziehen, die zum Einen auf Entspannung und Abschirmung von Stress und zum Anderen aus einer Korrektur der vegetativen Fehlfunktion des Hörorgans besteht. Außerdem sollte, auch um Rezidiven vorzubeugen, ein Bewußtmachen der Risiken stattfinden, die in der Persönlichkeit der Hörsturzpatienten liegen. Der die Krankheit auslösende "Streß" besteht meist aus belastenden Lebensereignissen, die entweder vom Patienten selbst auf Grund noch zu beschreibender Persönlichkeitsmerkmale provoziert wurden, oder die zu den bereits bestehenden Risiken in der Persönlichkeit in Form von schicksalhaften Ereignissen hinzukommen. Der Hörsturzpatient erfährt wie andere Menschen in gleicher Häufigkeit schicksalhafte Lebensereignisse, provoziert aber weitere auf Grund noch zu beschreibender Charakterzüge.

Methodik und Ergebnisse
Bei allen Patienten, die wegen eines Hörsturzes in die psychosomatische Sprechstunde kamen, wurde HNO-ärztlicherseits der Hörsturz diagnostiziert. Im Rahmen einer psychoanalytischen Anamneseerhebung wurden auslösende Situationen (A.S.), Selbstschilderung, relevante Punkte aus der Lebensgeschichte, psychischer Befund, Psychodynamik usw. erfaßt.
Stichprobenartig wurde zusätzlich eine testpsychologische Untersuchung (MMPI) durchgeführt und ausgewertet. Die in der psychoanalytischen Anamnese erhobenen Befunde wurden aufgelistet, die auslösenden Situationen zur Entstehung des Hörsturzes und die Persönlichkeitsmerkmale der Patienten miteinander verglichen. Letztere rekrutieren sich aus Selbstschilderung, psychischem Befund, relevanten Punkten aus der Lebensgeschichte und der Psychodynamik. Da es sich bei den auslösenden Situationen um Lebensereignisse handelt, mit denen jeder Mensch konfrontiert wird, wird der Hörsturz nur dann ausgelöst, wenn das Lebensereignis entweder auf eine "vorgeschädigte Persönlichkeit" trifft oder wenn eine bestimmte Persönlichkeit selbst vermehrt Lebensereignisse provoziert.
Ereignisse, welche die normale Lebensroutine unterbrechen, erfordern eine erhöhte Anpassungsleistung des Betroffenen. Das gilt nicht für alle Ereignisse gleichermaßen, sondern in erster Linie für solche Ereignisse, welche unerwünscht, unerwartet, unbeeinflußbar oder mit negativen Folgen behaftet empfunden werden. Der Eintritt bestimmter Arten von Lebensereignissen kann ebenso wie die Anhäufung verschiedener Ereignisse in einer kurzen Zeitspanne für das Individuum so belastend werden, daß normale Bewältigungsmöglichkeiten nicht mehr ausreichen. Emotionale Spannungszustände, exzessive neurohormonelle und pathophysiologische Reaktionen treten daher als Folgezustände gehäuft auf. Sie führen dann, wenn bereits disponierende Risikofaktoren für die Entwicklung organischer Erkrankungen gegeben sind, mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zum Ausbruch der nachfolgenden Erkrankungen. Bestimmte Arten von Lebensereignissen können ebenso wie die Anhäufung verschiedener Ereignisse in einer kurzen Zeitspanne Ausdruck der Persönlichkeit eines Menschen sein.
Zum Beispiel sind aktive, erfolgreiche und in verantwortlichen Positionen befindliche Personen häufiger Konfrontationen, Schwierigkeiten, Gefahren und Ängsten ausgesetzt, als zurückgezogene, inaktive, leicht zufriedenzustellende Menschen.
Die unter Dauerbelastung stehenden Hörsturzpatienten werden mit folgenden als auslösende Situationen zu bezeichnenden Lebensereignissen konfrontiert:
1. schicksalhaftes Ereignis (wie z.B. Unfall, Todesfall, Erkrankung, usw.)
2. Ereignis durch Persönlichkeitsmerkmale provoziert (gerichtlicher Prozeß, Verlust einer Position, Nichtbestehen einer Prüfung, usw.)
Bei nahezu allen Hörsturzpatienten waren relevante Auslösesituationen, die zum Beginn der Erkrankung führten, zu finden. Ebenso zeigten Frauen als auch Männer einheitliche Persönlichkeitsmerkmale, die im Rahmen der psychoanalytischen Anamneseerhebung eruiert wurden, ferner waren auch in den stichprobenartigen MMPI-Untersuchungen deutliche Übereinstimmungen zu finden. Stimmten erhobene Persönlichkeitsmerkmale eines Patienten nicht mit denen der Hörsturzpopulation überein oder war keine auslösende Situation zu erfahren, konnte mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, daß es sich nicht um einen Hörsturz handelte.
Im folgenden wird versucht, einen für den Hörsturzpatienten charakteristischen konstitutionellen Persönlichkeitstyp zu beschreiben. Hervorzuheben sind zunächst Charakteristika wie Perfektionismus und ein überhöhtes Anspruchsniveau, Ehrgeiz mit sich überforderndem Leistungsstreben, Pflichtbewußtsein bis hin zur Selbstaufgabe.
Diese in ihrer Unerreichbarkeit Mißlingen in sich schließende Haltungen zeichnen sich durch regelrechte Wahrnehmungsstörungen aus:
Der Hörsturzpatient nimmt selektiv nur ungelöste und unvollkommen gelöste Aufgaben wahr, nicht aber "erfolgreich" abgeschlossene. Das Fehlen der Erfolgserlebnisse also, und die Unerreichbarkeit der erhöhten Ansprüche an sich selbst bewirken Spannungs- und Ermüdungszustände, bis irgendein äußeres Ereignis diese stets vorhandene "Gereiztheit" aggraviert und einen Hörsturz auslöst. Die gewöhnliche Einleitung des Hörsturzes besteht in einem Zustand verdrängter Wut. Es scheinen andere Möglichkeiten zu fehlen, die für den Abfluß aufgestauter Wut geeignet wären.
Zum Hörsturz wie artverwandten Erkrankungen (Morbus Meniére, Migräne) gehören der äußere und innere Leistungskonflikt, ein äußerer und innerer Streß.
Der Verzicht auf die das Selbstwertgefühl unterhaltenden Erfolgserlebnisse und die Unfähigkeit, "Psychohygiene" (Entspannung, Erholung, Urlaub) zu betreiben, läßt die erforderliche Kraft, Belastung zu verarbeiten, nicht gedeihen. Manchmal gelingt Entspannung (Urlaub) im Ansatz, wird aber durch Schuldgefühle aus der Kindheit abgebrochen, was die Ursache für Hörstürze ist, die um einen Urlaub herum oder während des Urlaubs auftreten.

Psychopathophysiologie
Wenn der "Tropfen" (AS1 oder AS2) das "Faß" (Streßbewältigungskapazität) zum Überlaufen bringt, wenn also ein belastendes Ereignis, das schicksalhaft oder selbst induziert die Streßbewältigungsmechanismen beansprucht, treten physiologische Abwehrmechanismen in Kraft, die zum Hörsturz führen können:
Bei Überschreiten der Streßtoleranz werden über den Cortex Bereitstellungsreaktionen ("Kampf" oder "Flucht") ausgelöst. Dem Nucleus amygdala kommt die Rolle zu, die hypothalamischen Strukturen zu aktivieren. Dabei werden einerseits die sympatisch-cholinergen Nervenfasern (Vasodilatation der Arteriolen der Skelettmuskulatur) und die adrenergen Fasern (Vasokonstriktion der übrigen Gefäße) des autonomen Nervensystems stimuliert. Neben der Vasokonstriktion (der übrigen Gefäße) wurde im Tierversuch eine Blutviskositätszunahme festgestellt. Andererseits wird über das endokrine System Adrenalin aus dem Nebennierenmark freigesetzt, das für Thrombozytenaggregation, Beeinflussung von Herzfrequenz und Blutdruck, Sauerstoffverbrauch der Gewebe usw. verantwortlich ist. Ferner tritt eine vermehrte Freisetzung von ACTH und damit von Nebennierenrindensteroiden in Kraft, ein Anstieg von Wachstumshormonen und Prolaktin, um nur die wichtigsten zu nennen, deren Wirkung im Rahmen der Hörsturzgenese noch nicht genügend bekannt sind. Die Vasopressinfreisetzung durch Streßeinfluß auf höhere Zentren mit folgender Vasokonstriktion ist experimentell erwiesen.
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